Dienstzeugnis-Geheimcodes

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Wenn Lob in Wahrheit Kritik bedeutet – durch Dienstzeugnis-Geheimcodes:

„Er war stets bemüht.“ Klingt freundlich. Ist es aber nicht unbedingt.

„Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben ordnungsgemäß.“ Auch das hört sich zunächst völlig harmlos an. In der traditionellen Zeugnissprache kann dahinter jedoch eine deutlich weniger schmeichelhafte Botschaft stecken.

Dienstzeugnisse sind ein gutes Beispiel dafür, wie stark die Bedeutung eines Satzes davon abhängen kann, was gesagt wird – und vor allem davon, was nicht gesagt wird.

Gerade bei qualifizierten Dienstzeugnissen hat sich über Jahrzehnte eine Art eigene Sprache entwickelt. Superlative, kleine Abschwächungen, fehlende Wörter oder scheinbar freundliche Hinweise können von Personalverantwortlichen anders gelesen werden, als Arbeitnehmer vermuten.

In Österreich kommt noch ein wichtiger Punkt hinzu: Solche versteckten Botschaften sind rechtlich problematisch. Ein Dienstzeugnis darf nichts enthalten, was das berufliche Fortkommen erschwert. Die Arbeiterkammer weist ausdrücklich darauf hin, dass gerade hinter positiv klingenden Formulierungen negative Wertungen verborgen sein können. (⁠Arbeiterkammer)

Schauen wir uns deshalb die Sprache der Dienstzeugnisse einmal genauer an.

Was muss überhaupt in einem Dienstzeugnis stehen?

In Österreich besteht bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses auf Verlangen grundsätzlich Anspruch auf ein schriftliches Dienstzeugnis.

Das einfache Dienstzeugnis enthält insbesondere Angaben über die Dauer des Arbeitsverhältnisses und die Art der ausgeübten Tätigkeit. Wichtig für eine neue Bewerbung! Ein genereller Anspruch auf ein ausführliches „qualifiziertes Dienstzeugnis“, in dem zusätzlich Leistung und Verhalten beurteilt werden, besteht dagegen nicht. (⁠Arbeiterkammer)

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Denn erst mit freiwillig aufgenommenen Bewertungen beginnt häufig das sprachliche Minenfeld.

Die berühmte Zufriedenheitsskala

Das bekannteste Beispiel ist die sogenannte Zufriedenheitsformel.

Schon ein einziges fehlendes Wort kann die wahrgenommene Bewertung verändern.

„Er erledigte seine Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.“

Das gilt in der klassischen Zeugnissprache als Spitzenbewertung.

„Er erledigte seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“

Immer noch sehr positiv, aber bereits schwächer.

„Er erledigte seine Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit.“

Das wichtige „stets“ fehlt.

„Er erledigte seine Aufgaben zu unserer Zufriedenheit.“

Klingt im normalen Sprachgebrauch eigentlich positiv. Im Zeugnis kann die Formulierung jedoch als deutliche Abstufung verstanden werden.

Genau darin liegt das Problem dieser Sprache: Wer ihre Konventionen nicht kennt, liest möglicherweise ein gutes Zeugnis, obwohl ein erfahrener Personalverantwortlicher etwas ganz anderes herausliest.

Die Arbeiterkammer nennt beispielsweise „stets zur vollsten Zufriedenheit“ ausdrücklich als typische Formulierung für eine sehr gute Beurteilung. (⁠Arbeiterkammer Oberösterreich)


25 typische Dienstzeugnis-Floskeln – und was dahinter stecken kann

Wichtig: Die folgenden Übersetzungen sind keine mathematische Geheimcode-Tabelle, bei der jeder Satz immer exakt dieselbe Bedeutung besitzt. Kontext, Branche, restlicher Zeugnistext und die tatsächliche Intention des Verfassers spielen eine Rolle.

Trotzdem gibt es Formulierungen, bei denen man genauer hinsehen sollte.

1. „Er war stets bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben zu erfüllen.“

Mögliche versteckte Botschaft:
Er hat es versucht – geschafft hat er es nicht.

Das ist vermutlich der berühmteste aller Zeugnis-Klassiker. Auch die Arbeiterkammer nennt „stets bemüht“ als Beispiel für einen vermeintlich positiven Satz mit negativer Wirkung. (⁠Arbeiterkammer Oberösterreich)


2. „Sie zeigte für ihre Arbeit Verständnis.“

Mögliche Botschaft:
Sie verstand zwar, worum es ging – eine entsprechende Leistung folgte daraus aber nicht unbedingt.

„Verständnis haben“ ist eben etwas anderes als „hervorragende Fachkenntnisse erfolgreich einsetzen“.


3. „Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben ordnungsgemäß.“

Mögliche Botschaft:
Er machte genau das, was man ihm sagte. Eigeninitiative oder besonderes Engagement waren nicht erkennbar.

Verdächtig ist hier vor allem die Beschränkung auf „übertragene“ Aufgaben.


4. „Sie arbeitete im Rahmen ihrer Fähigkeiten.“

Mögliche Botschaft:
Ihre Fähigkeiten waren begrenzt.

Auch diese Logik findet sich bei den von der Arbeiterkammer angeführten Beispielen: Wer sich lediglich „im Rahmen seiner Fähigkeiten“ eingesetzt hat, bekommt damit keineswegs automatisch ein Kompliment. (⁠Arbeiterkammer Oberösterreich)


5. „Er zeigte großes Selbstvertrauen.“

Mögliche Botschaft:
Das Selbstvertrauen war größer als die tatsächliche Kompetenz.

Auch diese Formulierung wird von der Arbeiterkammer als problematischer Zeugniscode angeführt. (⁠Arbeiterkammer Oberösterreich)


6. „Sie vertrat ihre Meinung mit Nachdruck.“

Mögliche Botschaft:
Sie war streitlustig oder wenig kompromissbereit.

In einem wirklich positiven Zeugnis würde man eher von Überzeugungskraft, Durchsetzungsvermögen und konstruktiver Kommunikation sprechen.


7. „Er war bei seinen Kollegen sehr beliebt.“

Das klingt zunächst ausgezeichnet.

Mögliche Botschaft:
Seine sozialen Kontakte waren bemerkenswerter als seine Arbeitsleistung.

Entscheidend ist der Kontext. Fehlen gleichzeitig Aussagen über Leistung, Vorgesetzte oder Kunden, sollte man genauer hinschauen.


8. „Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.“

Mögliche Botschaft:
Eine der berüchtigtsten Interpretationen der traditionellen Zeugnissprache ist eine Anspielung auf übermäßigen Alkoholkonsum.

Derartige vermeintliche Codes sind allerdings besonders mit Vorsicht zu behandeln. Nicht jeder Arbeitgeber verwendet oder kennt diese historische Zeugnissprache.


9. „Sie war eine kommunikative Mitarbeiterin.“

Mögliche Botschaft:
Sie redete möglicherweise mehr, als sie arbeitete.

Kommunikationsstärke kann selbstverständlich ein echtes Kompliment sein. Problematisch wird es, wenn Kommunikation ausführlich gelobt wird, während Aussagen zu Arbeitsergebnissen fehlen.


10. „Er zeigte Interesse an seinen Aufgaben.“

Mögliche Botschaft:
Interesse war vorhanden. Ergebnisse offenbar weniger.

Ein gutes Zeugnis beschreibt normalerweise nicht nur Interesse, sondern erfolgreiche Umsetzung.


11. „Sie zeigte sich den Anforderungen gewachsen.“

Mögliche Botschaft:
Sie erfüllte gerade die Mindestanforderungen.

Ein Spitzenzeugnis würde normalerweise deutlich stärkere Begriffe verwenden.


12. „Er arbeitete weitgehend selbstständig.“

Ein einziges Wort macht den Unterschied:

weitgehend.

Mögliche Botschaft:
Nicht immer.

Wörter wie „weitgehend“, „im Wesentlichen“, „grundsätzlich“ oder „größtenteils“ sind klassische sprachliche Relativierer.


13. „Ihre Leistungen waren insgesamt zufriedenstellend.“

Auch hier steckt die Abschwächung in einem kleinen Wort:

insgesamt.

Mögliche Botschaft:
Es gab durchaus Bereiche, in denen die Leistungen nicht zufriedenstellend waren.


14. „Er erfüllte im Wesentlichen unsere Erwartungen.“

Mögliche Botschaft:
Aber eben nicht vollständig.

„Im Wesentlichen“ kann im Dienstzeugnis ein Warnsignal sein.


15. „Sie bemühte sich um eine sorgfältige Arbeitsweise.“

Mögliche Botschaft:
Die sorgfältige Arbeitsweise wurde angestrebt – aber offenbar nicht zuverlässig erreicht.

Das Muster ist immer dasselbe:

Bemühung statt Ergebnis.


16. „Er verfügte über Fachkenntnisse.“

Klingt positiv.

Aber was fehlt?

Keine Rede von fundierten, umfassenden, hervorragenden oder überdurchschnittlichen Fachkenntnissen.

Mögliche Botschaft:
Die notwendigen Grundkenntnisse waren vorhanden – mehr möglicherweise nicht.


17. „Sie setzte ihre Fachkenntnisse ein.“

Auch hier lohnt sich die Frage:

Mit welchem Erfolg?

Eine wesentlich stärkere Formulierung wäre beispielsweise, dass Fachkenntnisse „stets erfolgreich und zielgerichtet“ eingesetzt wurden.


18. „Er arbeitete mit der ihm eigenen Sorgfalt.“

Eine besonders elegante Floskel.

Denn wie groß diese Sorgfalt tatsächlich war, sagt der Satz überhaupt nicht.

Mögliche Botschaft:
Seine persönliche Definition von Sorgfalt entsprach möglicherweise nicht jener des Unternehmens.


19. „Sie erledigte ihre Aufgaben mit großem Interesse.“

Wieder wird das Interesse gelobt und nicht das Ergebnis.

Mögliche Botschaft:
Motivation vorhanden, Erfolg überschaubar.


20. „Er zeigte eine erfrischende Art im Umgang mit Kollegen.“

Mögliche Botschaft:
Sein Auftreten war möglicherweise ungewöhnlich, unangepasst oder gelegentlich respektlos.

„Erfrischend“ ist kein typisches Leistungsmerkmal und sollte deshalb im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.


21. „Sie verstand es, ihre Interessen zu vertreten.“

Mögliche Botschaft:
Sie dachte zuerst an sich selbst.

In bestimmten Positionen kann Durchsetzungsvermögen selbstverständlich positiv sein. Die auffällige Betonung der eigenen Interessen kann jedoch eine andere Wirkung erzeugen.


22. „Er war ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter.“

Mögliche Botschaft:
Er kritisierte häufig und war möglicherweise schwierig zu führen.

Auch hier entscheidet der Zusammenhang. In einer Qualitätsmanagement- oder Führungsfunktion könnte kritisches Denken ausdrücklich erwünscht sein.


23. „Sie zeigte sich gegenüber neuen Aufgaben aufgeschlossen.“

Mögliche Botschaft:
Aufgeschlossen – aber nicht unbedingt erfolgreich.

Wieder wird eine Haltung beschrieben, kein Resultat.


24. „Er war stets pünktlich.“

Pünktlichkeit ist grundsätzlich positiv.

Wenn das jedoch das herausragende Lob eines mehrjährigen Dienstzeugnisses ist, entsteht eine andere Botschaft.

Möglicher Klartext:

Viel mehr Positives gab es offenbar nicht zu berichten.

Das nennt man manchmal auch das Prinzip der beredten Nebensächlichkeit: Selbstverständlichkeiten werden auffällig hervorgehoben, während wesentliche Leistungsmerkmale fehlen.


25. „Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.“

Auch der Abschied kann interessant sein.

Eine wesentlich wärmere Schlussformel könnte beispielsweise Dank für die Zusammenarbeit, Bedauern über das Ausscheiden und gute Wünsche für die berufliche und private Zukunft enthalten.

Fehlen Dank oder Bedauern vollständig, interpretieren manche Personalverantwortliche dies als Distanzierung.

Allerdings ist gerade bei Schlussformeln Vorsicht mit pauschalen Übersetzungen geboten. Ein kurzer Schluss beweist keineswegs automatisch, dass ein Arbeitnehmer schlecht war.


Dienstzeugnis-Geheimcodes: Noch interessanter als einzelne Wörter? Was fehlt?

Eine der wichtigsten Regeln beim Lesen eines Dienstzeugnisses lautet:

Nicht nur lesen, was darin steht. Prüfen Sie auch, was nicht darin steht.

Nehmen wir einen Vertriebsmitarbeiter.

Im Zeugnis steht ausführlich:

„Herr X war bei Kollegen aufgrund seiner freundlichen und kommunikativen Art sehr geschätzt.“

Kein Wort über:

  • Verkaufserfolge,
  • Kundenakquise,
  • Zielerreichung,
  • Umsatzentwicklung,
  • Verhandlungsgeschick oder
  • Kundenbindung.

Dann kann das freundliche Lob plötzlich einen ganz anderen Eindruck erzeugen.

Oder bei einer Führungskraft:

„Frau X verfügte über ausgezeichnete Fachkenntnisse.“

Das klingt hervorragend.

Aber es fehlen Aussagen zu:

  • Mitarbeiterführung,
  • Führungsverhalten,
  • Entscheidungsstärke,
  • Verantwortungsübernahme und
  • Zusammenarbeit mit Mitarbeitern.

Das Weglassen zentraler Kompetenzen kann mindestens genauso auffällig sein wie eine zweideutige Formulierung.

Die Reihenfolge kann ebenfalls eine Botschaft transportieren

Auch die Reihenfolge beim Sozialverhalten wird traditionell beachtet.

Eine klassische positive Formulierung könnte beispielsweise lauten:

„Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei.“

Wird dagegen ausschließlich das Verhalten gegenüber Kollegen hervorgehoben, stellt sich die Frage:

Und wie war das Verhältnis zu den Vorgesetzten?

Auch hier gilt: Das ist kein automatischer Beweis für eine negative Bewertung. Aber es ist ein Grund, den gesamten Text genauer anzusehen.

Dienstzeugnis-Geheimcodes:
Vorsicht vor diesen Abschwächungswörtern

Wer sein Dienstzeugnis überprüft, sollte besonders auf sprachliche Relativierungen achten:

grundsätzlich – insgesamt – weitgehend – im Wesentlichen – meistens – in der Regel – nach Möglichkeit – im Rahmen – bemüht – interessiert – ordentlich – angemessen – zufriedenstellend

Keines dieser Wörter ist automatisch verboten oder negativ.

Aber sie können Aussagen abschwächen.

Vergleichen wir:

„Sie arbeitete stets äußerst zuverlässig und selbstständig.“

mit:

„Sie arbeitete im Wesentlichen zuverlässig.“

Beide Sätze enthalten das positive Wort „zuverlässig“.

Ihre Wirkung ist trotzdem völlig unterschiedlich.

Der vielleicht gefährlichste Code: übertriebene Nebensächlichkeiten

Ein Dienstzeugnis soll die berufliche Tätigkeit dokumentieren.

Deshalb sollte man misstrauisch werden, wenn Nebensächlichkeiten überschwänglich gelobt werden, zentrale Fähigkeiten dagegen kaum vorkommen.

Beispiele:

„Sein Arbeitsplatz war stets außerordentlich ordentlich.“

„Sie zeichnete sich durch besondere Pünktlichkeit aus.“

„Er pflegte jederzeit einen höflichen Umgangston.“

Alles positiv.

Aber warum erfährt ein zukünftiger Arbeitgeber nichts über die eigentliche Arbeitsleistung?

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Passt das Lob zur Position?

Bei einem Buchhalter erwartet man Aussagen über Genauigkeit und Zuverlässigkeit.

Bei einem Verkäufer über Kundenorientierung und Ergebnisse.

Bei einer Führungskraft über Führung und Verantwortung.

Bei einem Projektmanager über Organisation, Termine, Budgets und Zielerreichung.

Werden stattdessen nur Randthemen gelobt, kann das Gesamtbild problematisch werden.

Auch ein zu gutes Zeugnis kann problematisch sein

Interessanterweise existiert noch die andere Seite.

Arbeitgeber dürfen nicht einfach ein völlig unrealistisches Gefälligkeitszeugnis schreiben.

Ein Dienstzeugnis muss grundsätzlich wahrheitsgemäß sein. Der im STANDARD veröffentlichte Rechtsbeitrag weist darauf hin, dass bewusst unrichtig positive Bewertungen unter Umständen sogar Haftungsfragen gegenüber einem späteren Arbeitgeber auslösen können. (⁠DER STANDARD)

Das Dienstzeugnis bewegt sich daher zwischen zwei Anforderungen:

Es soll wahr sein – darf aber das berufliche Fortkommen nicht durch unzulässige versteckte Botschaften erschweren.

Sind Dienstzeugnis-Geheimcodes in Österreich überhaupt erlaubt?

Genau hier wird es rechtlich interessant.

Nach österreichischem Recht dürfen Dienstzeugnisse keine Angaben enthalten, die Arbeitnehmern die Erlangung einer neuen Stelle erschweren.

Die Arbeiterkammer weist ausdrücklich darauf hin, dass auch hinter zunächst positiven Formulierungen negative Bewertungen versteckt sein können.

Der Arbeitsrechtsexperte Clemens Pichler erläutert im STANDARD zudem, dass gerade Kennzeichnungen, deren eigentliche Bedeutung aus dem Wortlaut nicht ersichtlich ist, rechtlich problematisch sind.

Mit anderen Worten:

Ein Arbeitgeber sollte ein Dienstzeugnis nicht als verschlüsselten Warnbrief an den nächsten Arbeitgeber verwenden.

Nicht alle schlechte Formulierungen sind Dienstzeugnis-Geheimcodes

Das sollte man ebenfalls berücksichtigen.

Manche Zeugnisse klingen merkwürdig, weil sie tatsächlich schlecht formuliert wurden.

Ein kleiner Betrieb ohne Personalabteilung verwendet vielleicht:

„Herr Müller hat seine Arbeit immer ordentlich gemacht und wir waren mit ihm zufrieden.“

Ein professioneller HR-Experte könnte darin Abstufungen erkennen.

Der Arbeitgeber wollte möglicherweise schlicht sagen:

Wir waren wirklich zufrieden.

Nicht jeder Unternehmer kennt die traditionelle Zeugnissprache.

Und genau deshalb sollte man nicht versuchen, jeden Satz wie einen Geheimdienstcode zu entschlüsseln.

Entscheidend ist das Gesamtbild.

So prüfen Sie Ihr Dienstzeugnis selbst

Lesen Sie Ihr Zeugnis mindestens dreimal – jeweils mit einer anderen Fragestellung.

Erster Durchgang: Stimmen die Fakten?

Kontrollieren Sie:

  • Name und persönliche Angaben
  • Arbeitgeber
  • Eintrittsdatum
  • Austrittsdatum
  • Berufsbezeichnung
  • Tätigkeitsbeschreibung
  • tatsächliches Ausstellungsdatum

Zweiter Durchgang: Wie wird Leistung beschrieben?

Achten Sie besonders auf:

  • Superlative oder deren Fehlen
  • „stets“
  • Abschwächungen wie „weitgehend“
  • Bemühungsformulierungen
  • bloßes Interesse statt Ergebnisse
  • Aussagen zu Selbstständigkeit und Initiative

Dritter Durchgang: Was fehlt?

Fragen Sie sich:

Welche Fähigkeiten müsste ein zukünftiger Arbeitgeber bei meiner Position unbedingt erwarten – und werden diese im Zeugnis erwähnt?

Gerade dieser dritte Durchgang kann aufschlussreicher sein als die Suche nach einzelnen „Geheimcodes“.

Was tun bei einem problematischen Dienstzeugnis-Geheimcodes?

Wer eine fragwürdige Formulierung entdeckt, sollte nicht sofort davon ausgehen, dass der ehemalige Arbeitgeber absichtlich schaden wollte.

Zunächst empfiehlt sich eine sachliche schriftliche Bitte um Korrektur.

Ist das Zeugnis inhaltlich oder formal nicht gesetzeskonform, kann ein korrektes Zeugnis verlangt werden. Die Arbeiterkammer empfiehlt im Zweifel ausdrücklich, das Dienstzeugnis überprüfen zu lassen.

Reagiert der Arbeitgeber nicht, können weitere rechtliche Schritte bis hin zum Arbeits- und Sozialgericht in Betracht kommen.

Ein praktischer Tipp der Arbeiterkammer ist besonders interessant: Arbeitnehmer können dem ehemaligen Arbeitgeber gleich einen eigenen Entwurf für das gewünschte Dienstzeugnis vorlegen. Der Arbeitgeber muss diesen zwar nicht übernehmen – manchmal erspart ihm ein brauchbarer Entwurf aber Arbeit. (⁠Arbeiterkammer)

Beim Dienstzeugnis zählt manchmal jedes Wort

Ein Dienstzeugnis ist kein gewöhnlicher Text.

Ein fehlendes „stets“, ein harmloses „bemüht“, ein „weitgehend“ oder die auffällige Betonung von Nebensächlichkeiten kann die Wirkung eines ganzen Absatzes verändern.

Gleichzeitig sollte man nicht in die Falle geraten, hinter jedem Satz einen Geheimcode zu vermuten.

Die sinnvollste Methode lautet deshalb:

Nicht einzelne Wörter isoliert übersetzen, sondern das gesamte Zeugnis betrachten.

Was wird über die Leistung gesagt?

Was über das Verhalten?

Welche für die Position wichtigen Fähigkeiten werden erwähnt?

Welche fehlen?

Wo wird konkret über Ergebnisse gesprochen – und wo lediglich über Bemühungen?

Denn manchmal ist der problematischste Satz im Dienstzeugnis gar nicht jener, der darin steht.

Sondern jener, der fehlt.

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Dienstzeugnis-Geheimcodes-Titelbild AI generiert

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