Adobe und Microsoft bekommen Konkurrenz

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Ein einzelner Softwareentwickler aus Atlanta sorgt derzeit für Aufsehen in der Technologiebranche. Brandon Thomas hat mithilfe künstlicher Intelligenz innerhalb kürzester Zeit kostenlose Alternativen zu bekannten Adobe-Programmen entwickelt. Inzwischen nimmt er auch Microsoft Office ins Visier. Sein Projekt ArtCraft zeigt, wie grundlegend KI die Softwareentwicklung verändern könnte. Doch können solche Programme tatsächlich mit den etablierten Marktführern konkurrieren? Adobe und Microsoft bekommen Konkurrenz?

Wenn Software-Abonnements zum Ärgernis werden

Wer regelmäßig mit professioneller Software arbeitet, kennt das Problem: Viele Programme lassen sich inzwischen nicht mehr dauerhaft kaufen. Stattdessen verlangen die Hersteller monatliche oder jährliche Abonnementgebühren.

Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei Adobe. Photoshop, Illustrator, Premiere Pro und zahlreiche weitere Kreativprogramme sind eng mit dem Abonnementmodell der Creative Cloud verbunden.

Auch Microsoft setzt mit Microsoft 365 stark auf wiederkehrende Zahlungen. Wer Word, Excel, PowerPoint und zusätzliche Cloud-Dienste nutzen möchte, entscheidet sich häufig für ein Abonnement.

Für professionelle Anwender können diese Modelle durchaus Vorteile bieten. Updates, Cloud-Speicher, Sicherheitsfunktionen und neue Werkzeuge werden regelmäßig bereitgestellt.

Allerdings entstehen dadurch auch Abhängigkeiten. Wer sein Abonnement beendet, verliert unter Umständen den Zugriff auf bestimmte Programme oder Funktionen. Über mehrere Jahre können sich außerdem erhebliche Kosten summieren.

Genau diese Entwicklung hat den amerikanischen Softwareentwickler Brandon Thomas offenbar so sehr geärgert, dass er beschloss, eigene Alternativen zu entwickeln.

Seine entscheidende Unterstützung: künstliche Intelligenz. Adobe und Microsoft bekommen Konkurrenz.

ArtCraft: Sieben Adobe-Alternativen in ungefähr zehn Tagen

Brandon Thomas verfügt nach eigenen Angaben über rund 15 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung. Für sein Projekt ArtCraft nutzte er intensiv die KI-Entwicklungsumgebung Claude von Anthropic.

Dabei entstand innerhalb von ungefähr zehn Tagen eine erste Sammlung von sieben Anwendungen, die sich an bekannten Adobe-Produkten orientieren.

Das Besondere daran ist nicht allein die Geschwindigkeit. Thomas veröffentlichte den Quellcode und stellt die Programme kostenlos zur Verfügung.

Die Anwendungen werden überwiegend in der Programmiersprache Rust entwickelt. Sie sollen unter Windows, macOS und Linux funktionieren.

Zu den ersten Programmen gehören:

ArtCraft-ProgrammBekanntes VorbildEinsatzgebiet
PhotoCraftAdobe PhotoshopBildbearbeitung
VectorCraftAdobe IllustratorVektorgrafiken
FilmCraftAdobe Premiere ProVideoschnitt
LightCraftAdobe LightroomFotoentwicklung
EffectCraftAdobe After EffectsAnimationen und Effekte
DesignCraftAdobe InDesignLayout und Gestaltung
PDF-WerkzeugAdobe Acrobat ProPDF-Bearbeitung

Die Programme befinden sich allerdings noch in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Nicht alle Funktionen ihrer kommerziellen Vorbilder sind bereits vorhanden, aber Adobe und Microsoft bekommen Konkurrenz

Unabhängige Tests zeigen beispielsweise Einschränkungen bei der Bildbearbeitung, beim Umgang mit Dateiformaten und beim Videoschnitt. Von einem vollwertigen Ersatz für professionelle Adobe-Anwendungen kann deshalb derzeit noch keine Rede sein.  

Trotzdem ist das Projekt bemerkenswert.

Denn hier entsteht nicht einfach ein weiteres Bildbearbeitungsprogramm. Es wird demonstriert, wie stark künstliche Intelligenz die Entwicklungsgeschwindigkeit von Software verändern kann.

Die Anwendungen können auf der offiziellen Projektseite heruntergeladen werden:

⁠ArtCraft – kostenlose Programme und Downloads

Jetzt nimmt ArtCraft auch Microsoft Office ins Visier

Noch interessanter wurde das Projekt, als Thomas begann, Alternativen zu den bekannten Microsoft-Office-Anwendungen zu entwickeln.

Im Oktober 2026 wurden drei weitere Programme bekannt:

WordCraft – eine Alternative zu Microsoft Word

WordCraft orientiert sich an der bekannten Textverarbeitung Microsoft Word.

Ziel ist eine kostenlose Anwendung, mit der sich Texte erstellen, formatieren und bearbeiten lassen.

Besonders interessant ist dabei der Ansatz, eine vertraute Benutzeroberfläche anzubieten. Wer jahrelang mit Word gearbeitet hat, möchte sich schließlich nicht vollständig umgewöhnen.

Ob WordCraft künftig auch komplexe Dokumente, wissenschaftliche Arbeiten, umfangreiche Formatvorlagen oder Serienbriefe zuverlässig verarbeiten kann, bleibt abzuwarten.

GridCraft – eine Alternative zu Microsoft Excel

Mit GridCraft arbeitet Thomas an einem Tabellenkalkulationsprogramm, das sich an Microsoft Excel orientiert.

Tabellenkalkulation gehört zu den anspruchsvollsten Bereichen der Bürosoftware.

Einfache Tabellen und Berechnungen sind vergleichsweise leicht umzusetzen. Schwieriger wird es bei komplexen Formeln, großen Datenmengen, Pivot-Tabellen, Makros und der Kompatibilität mit vorhandenen Excel-Dateien.

Gerade hier wird sich zeigen müssen, ob KI-entwickelte Alternativen langfristig konkurrenzfähig werden.

DeckCraft – eine Alternative zu Microsoft PowerPoint

DeckCraft soll die Erstellung und Bearbeitung von Präsentationen ermöglichen.

Auch hier steht eine vertraute Arbeitsweise im Mittelpunkt.

Allerdings ist PowerPoint weit mehr als ein Programm zum Aneinanderreihen von Folien. Animationen, Übergänge, Multimedia-Inhalte, Vorlagen und die Zusammenarbeit mit anderen Nutzern gehören mittlerweile zum Funktionsumfang.

DeckCraft befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase.

Die drei Office-Nachbauten sind deshalb vorerst vor allem interessante Experimente und keine ausgereiften Ersatzprodukte.  

Wie kann ein einzelner Entwickler so schnell Software programmieren?

Die entscheidende Frage lautet: Wie ist es möglich, innerhalb weniger Tage Programme zu entwickeln, für die Unternehmen normalerweise große Entwicklerteams beschäftigen?

Die Antwort liegt in einer neuen Form der Softwareentwicklung, die häufig als Vibe Coding bezeichnet wird.

Dabei beschreibt ein Mensch mithilfe natürlicher Sprache, welche Funktionen eine Anwendung besitzen soll.

Eine KI erstellt daraufhin Programmcode, schlägt Änderungen vor, analysiert Fehler und unterstützt bei der Weiterentwicklung.

Der Mensch übernimmt zunehmend die Rolle eines Architekten, Prüfers und Projektleiters.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Ein Entwickler gibt einer KI die Anweisung, ein Bildbearbeitungsprogramm mit Ebenenverwaltung, Auswahlwerkzeugen, Farbkorrekturen und einer Benutzeroberfläche ähnlich bekannter Grafikprogramme zu erstellen.

Die KI kann daraufhin erste Programmstrukturen und einzelne Funktionen entwickeln.

Anschließend werden Fehler korrigiert, neue Anforderungen formuliert und weitere Komponenten ergänzt.

Dieser Vorgang wiederholt sich, bis eine nutzbare Anwendung entsteht.

Warum Erfahrung trotzdem entscheidend bleibt

Das Beispiel Brandon Thomas zeigt allerdings auch, dass KI-gestützte Programmierung nicht bedeutet, dass jeder Mensch ohne Fachkenntnisse sofort professionelle Software entwickeln kann.

Thomas ist ein erfahrener Softwareentwickler.

Er kann beurteilen, welche Architektur sinnvoll ist, wie sich Fehler erkennen lassen und welche technischen Entscheidungen notwendig sind.

Die KI übernimmt einen erheblichen Teil der Programmierarbeit. Die Verantwortung für Qualität, Sicherheit und Funktionalität bleibt jedoch beim Menschen.

Gerade bei komplexen Anwendungen ist dieser Unterschied entscheidend.

Warum KI die Softwarebranche grundlegend verändern könnte

Bisher war die Entwicklung umfangreicher Software und Apps häufig mit erheblichen Kosten verbunden.

Programmierer, Designer, Tester und Projektmanager mussten über Monate oder Jahre zusammenarbeiten.

Künstliche Intelligenz kann inzwischen viele Aufgaben beschleunigen, die früher manuell erledigt werden mussten.

Dazu gehören das Erstellen von Programmcode, das Schreiben von Tests, die Dokumentation und die Suche nach Fehlern.

Dadurch sinken die Einstiegshürden für kleinere Entwicklerteams.

Ein einzelner erfahrener Entwickler kann heute Projekte beginnen, für die vor wenigen Jahren möglicherweise mehrere Spezialisten erforderlich gewesen wären.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die vollständige Entwicklung professioneller Software beliebig beschleunigen lässt.

Die letzten zehn Prozent eines Produkts können besonders aufwendig sein. Sicherheit, Zuverlässigkeit, Barrierefreiheit, Dateikompatibilität und langfristige Wartung erfordern weiterhin erhebliche Arbeit.

Die eigentliche Revolution besteht deshalb nicht darin, dass KI sofort perfekte Programme erstellt. Sie besteht darin, dass funktionierende Softwareprototypen wesentlich schneller entstehen können.

Können Adobe und Microsoft dadurch ihre Marktposition verlieren?

Kurzfristig ist das unwahrscheinlich.

Adobe und Microsoft verfügen über jahrzehntelang entwickelte Produkte, umfangreiche technische Infrastruktur und große Kundenbestände.

Besonders Unternehmen sind auf zuverlässige Dateiformate, Support, Sicherheitsupdates und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Programmen angewiesen.

Ein kostenloses Programm ist nicht automatisch eine bessere Alternative.

Dennoch könnte sich der Wettbewerb langfristig verändern.

Wenn kleine Entwicklerteams mithilfe von KI leistungsfähige Anwendungen erstellen können, sinken die Kosten für neue Marktteilnehmer.

Dadurch könnten mehr spezialisierte Programme entstehen, die bestimmte Aufgaben besonders gut erledigen.

Auch die Abonnementmodelle etablierter Anbieter könnten stärker unter Druck geraten.

Denn Nutzer werden sich zunehmend fragen, ob sie tatsächlich sämtliche Funktionen eines umfangreichen Softwarepakets benötigen oder ob eine kostenlose Alternative ausreicht.

Open Source: Warum öffentlich zugänglicher Quellcode wichtig ist

Ein wesentlicher Bestandteil des ArtCraft-Projekts ist die Veröffentlichung des Quellcodes.

Open-Source-Software ermöglicht es anderen Entwicklern, den Programmcode einzusehen und im Rahmen der jeweiligen Lizenzbedingungen zu verändern oder weiterzuentwickeln.

Dadurch können Gemeinschaftsprojekte entstehen, bei denen zahlreiche Menschen zur Verbesserung einer Anwendung beitragen.

Allerdings garantiert öffentlich zugänglicher Quellcode noch keine hohe Qualität.

Auch Open-Source-Programme benötigen regelmäßige Sicherheitsprüfungen, zuverlässige Updates und eine langfristig tragfähige Entwicklungsorganisation.

Gerade bei sehr jungen Projekten sollte deshalb vorsichtig vorgegangen werden.

Wer ArtCraft ausprobieren möchte, sollte zunächst mit unwichtigen Testdateien arbeiten und keine sensiblen Unternehmensdokumente verwenden.

Die entscheidende Frage: Wer wartet die Programme?

Eine Anwendung zu entwickeln, ist nur der erste Schritt.

Professionelle Software muss anschließend über viele Jahre gepflegt werden.

Betriebssysteme verändern sich, neue Dateiformate entstehen, Sicherheitslücken müssen geschlossen und Fehler korrigiert werden.

Bei einem Projekt, das wesentlich von einem einzelnen Entwickler getragen wird, stellt sich deshalb die Frage nach der langfristigen Wartung.

Kann ArtCraft genügend weitere Entwickler gewinnen? Entsteht eine aktive Gemeinschaft? Werden Sicherheitsprobleme schnell behoben?

Diese Fragen sind für den langfristigen Erfolg möglicherweise wichtiger als die beeindruckende Geschwindigkeit der ersten Entwicklung.

Was bedeutet diese Entwicklung für Unternehmen und Selbstständige?

Für Unternehmen eröffnet KI-gestützte Softwareentwicklung neue Möglichkeiten.

Bisher mussten häufig umfangreiche Standardprogramme angeschafft werden, obwohl nur ein kleiner Teil der Funktionen tatsächlich benötigt wurde.

Künftig könnte es wirtschaftlicher werden, individuelle Anwendungen für bestimmte Arbeitsabläufe entwickeln zu lassen.

Ein Unternehmen benötigt beispielsweise kein vollständiges Projektmanagementsystem, sondern lediglich eine einfache Anwendung zur Verwaltung von Kundenaufträgen.

Ein Selbstständiger möchte Rechnungen erstellen, Kundendaten verwalten und Zahlungseingänge kontrollieren.

Ein kleiner Verein benötigt eine Mitgliederverwaltung mit automatischer Erstellung von Dokumenten.

Solche Anwendungen könnten mithilfe künstlicher Intelligenz deutlich schneller und kostengünstiger entstehen.

Allerdings müssen Datenschutz, Sicherheit, Wartung und die Integration in vorhandene Systeme von Anfang an berücksichtigt werden.

ArtCraft ist noch keine Revolution der Bürosoftware – aber möglicherweise der Softwareentwicklung

Brandon Thomas hat mit ArtCraft ein bemerkenswertes Experiment gestartet.

Die Programme können derzeit weder Adobe Creative Cloud noch Microsoft Office vollständig ersetzen.

Dafür fehlen noch zu viele Funktionen und die notwendige Reife für den professionellen Alltag.

Die größere Bedeutung liegt jedoch an anderer Stelle.

ArtCraft demonstriert, wie künstliche Intelligenz die wirtschaftlichen Voraussetzungen der Softwareentwicklung verändern könnte.

Wenn ein einzelner erfahrener Entwickler innerhalb weniger Tage zahlreiche Anwendungen erstellen kann, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie Software in fünf oder zehn Jahren entwickelt und verkauft wird.

Möglicherweise werden wir künftig weniger universelle Softwarepakete benötigen und stattdessen zunehmend spezialisierte Anwendungen verwenden, die genau auf unsere Anforderungen zugeschnitten sind.

Für Nutzer könnte das mehr Auswahl, geringere Kosten und weniger Abhängigkeit von einzelnen Herstellern bedeuten.

Ob ArtCraft selbst langfristig erfolgreich sein wird, ist noch offen.

Dass KI die Softwareentwicklung nachhaltig verändern wird, lässt sich an diesem Projekt jedoch bereits eindrucksvoll erkennen.

Weiterführende Informationen zum Thema: Adobe und Microsoft bekommen Konkurrenz

  • ⁠Tom’s Hardware – Bericht über die neuen Office-Alternativen
  • ⁠Creative Bloq – Praxistest der ArtCraft-Programme
  • Demnächst bei erfolg.org