Dezember 15th, 2009 von Erfolgsamer

Viele Trauerforscher beziehen sich auf einen 1917 erschienenen Aufsatz von Sigmund Freud „Trauer und Melancholie“, in dem unter Anderem zum Ausdruck kommt, dass:
– Trauer die Reaktion auf einen erlittenen Verlust ist,
– Trauer als Verlustreaktion regelmäßig eintritt, also immer dann, wenn Menschen etwas verloren haben, dass Ihnen kostbar und wichtig war und dass,
– Der Tod sicherlich die dramatischste Verslustsituation, aber sicherlich nicht die Einzige darstellt.

Freud prägte den Begriff „Trauerarbeit“, der parallel zu den noch folgenden Trauerphasen verläuft. Anfang und Ende sind jedoch klar erkennbar; am Anfang steht die Verlusterfahrung, am Ende lässt der Schmerz nach, die Traurigkeit nimmt ab und dass Interesse für das Leben und alles Äußere beginnt wieder zu erwachen.

Vgl. RAINBOWS Österreich, Lehrgang 1, Modul A, Arbeitspapiere 5; „Trauer im Wandel der Zeit“ Seite 11f.

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Oktober 5th, 2009 von Erfolgsamer

Hier einige interessante Maßnahmen, die mir erwähnenswert und zu dem Thema passend erscheinen. Sie wurden in der Vergangenheit bei sterbenden Mitmenschen getroffen, um ihnen aus damaliger Sicht die letzten Tage möglichst friedvoll zu gestalten.

Das „Mutterkornlad’l“
Im Laufe eines meiner letzten Praktika führte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer Angehörigen eines im Sterben liegenden Patienten. Wir sprachen über das „Abschied nehmen“ und die Situation, in welcher sich die besagte Dame im Moment befand. Unabhängig von dem ursprünglichen Thema kamen wir sodann auf verschiedenste Trauer- und Sterberituale zu sprechen. Von Ihr erfuhr ich erstmals, dass es angeblich früher, (möglicherweise sogar auch jetzt noch) in alten Bauernschränken unter vielen Laden auch eine sehr sehr kleine Lade gegeben haben soll; die „Mutterkornlade“. In dieser wurde, wie der Name schon sagt, das Mutterkorn aufbewahrt, alleine zu dem Zweck, um Sterbenden dasselbige kurz vor ihrem Tod zu verabreichen. Man erwartete sich davon kürzeres Leid sowie eine Stillung der Schmerzen, bzw. sie durch die berauschende Wirkung des Mutterkorns zu umgehen.

Der „Mohnzuzz“
Etwas später stieß ich auf eine ähnliche, etwas bekanntere Geschichte. Sie war mir bereits bekannt, jedoch nicht in diesem Zusammenhang. Ich kannte bereits den seit der griechischen Antike eingeführten Brauch, den morphinhaltigen Milchsaft als Schlafmittel für Kinder zu verwenden. Schon der lateinische Name „somniferum“ (Schlaf bringend) verweist auf die Verwendung. Ebenfalls war mir der umgangssprachliche Ausdruck „Mohnzuzz“ geläufig. Jedoch war mir neu, das der gleiche Brauch auch bei Kranken und Sterbenden angewandt wurde, um ihnen wiederum Schmerzen und Leid zu ersparen.

Die „alten Weiber“
Eine weitere Überlieferung erzählt von Kärnten, etwa im 17 bis 18. Jahrhundert. Sie besagt, dass vor allem in armen, ländlichen Gegenden „alte Weiber“ Sterbende besuchen kamen (meist war kein Geld für Ärzte bzw. Medizin vorhanden), um mit ihren Kräutern und Gewächsen die letzte Ruhestätte zu räuchern und dem Sterbenden damit auch sein Leid zu lindern.

DGKP/DPGKP Daan Toffel

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